Campagne sur Aude
Das kleine Dorf, welches heute etwa 650 Einwohner zählt, liegt an den Ufern des Flusses Aude, auf der Strecke zwischen Espéraza und Quillan. Von der Hauptstrasse aus erreicht man Campagne sur Aude über eine schmale, alte Bogenbrücke.
In den letzten Jahren fand man im umliegenden Gebiet der Gemeinde einige fossile Knochen von Lebewesen aus der Zeit der Dinosaurier (im nahe gelegenen Ort Espéraza befindet sich übrigens ein Dinosaurier-Museum, in welchem auch noch weitere Funde aus der Region bewundert werden können).
In alten Dokumenten wurde Campagne sur Aude erstmals ca. im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Im Jahr 1147 bereitete sich Roger Trencavel (
*siehe Anhang), Vizegraf von Béziers und Carcassonne vor, um seinen Onkel - den Grafen Raymond von Toulouse - auf dem zweiten Kreuzzug zu begleiten. Um die Finanzierung des Unternehmens sicherzustellen, überschrieb er dem Orden der Tempelritter - zusammen mit noch andern Gütern - den Ort "Campaha".
Die Tempelritter liessen sich im Ort nieder und verbessern die Befestigungsanlagen - welche sich auch heute noch in einem sehr guten Zustand befinden. Die charakteristische, runde Form ist im Zentrum des Dorfes sehr gut zu sehen. Ursprünglich durch einen Wachturm, eine ca. 10 Meter hohe Mauer und zusätzlich durch einen umgeleiteten Arm der Aude geschützt, wurde die Kommandantur auf einer Fläche von ca. 2'000 m2, mit ungefähr 220 m Umfang, errichtet. Der ehemalige, etwa 5 m breite Wassergraben vor der Befestigung, wurde in späteren Jahrhunderten wieder zugeschüttet. Heute ist dies eine Kreisförmige Strasse mit Platanen, welche die ganze Anlage umgibt.

Durch das Haupttor, welches sich noch im Ursprungszustand befindet, kann man durch schmale Gässchen, zwischen Behausungen ehemaliger Bewohner und Tempelrittern, ins Innere der Höfe und auch zur Kirche - welche den Heiligen Sebastian geweiht ist - gelangen.
Vermutlich war das Einflusspotential der Tempelritter in diesem Landstrich nicht ausserordentlich gross. Einnahmen wurden hauptsächlich durch die Erhebung von Steuern auf Warenverkehr, Wegzölle auf Strassen und Fluss und durch Verwaltung einiger Mühlen an der Aude erzielt. Auch trotz bestimmter punktueller Interessenkonflikte unterhielten die Templer gute Beziehungen zu ihren Nachbarn, den Voisins, den Herren von Rhedae (Rennes-le-Château) und Bézu, wobei es gelang, einige Mitglieder dieser Familien in ihre Organisation zu integrieren.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erfuhr der Ort durch die Nutzung von Heilwasser aus Thermalquellen, welches für Bäder und verschiedenste Therapien angewendet wurde, einen bescheidenen, wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1916 wurde auch ein Militärkrankenhaus erbaut, welches bis in Jahr 1922 in Betrieb war.
*) Anmerkung zu Raimond-Roger Trencavel (1185. - 10. Nov. 1209)
war ein Mitglied des Hauses Trencavel. Er war Vizegraf von Albi und Béziers (Lehen des Grafen von Toulouse) und Vizegraf von Carcassonne und des Razès (Lehen des Grafen von Barcelona, welcher damals König von Aragon war). Er war einer der Helden und eines der ersten Opfer des Kreuzzugs gegen die Albigenser. Er residierte im Schloss von Carcassonne, das von seinen Vorfahren im 11. Jahrhundert erbaut worden war. Er war kein Katharer, hegte jedoch gegenüber religiösen Grundsätzen eine liberale und fortschrittliche Haltung.
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