Das Mysterium der "Pyramide"

Bericht über eine sehr seltsame Botschaft

Im Verlauf des Jahres 2010 erhielten wir über unsere Webseite einen sehr geheimnisvollen Eintrag in unser Gästebuch.

Auf den ersten Blick ergab das Geschriebene überhaupt keinen rechten Sinn - es bestand nur aus wirren und kryptischen Wortfolgen. Auch die E-Mail-Absenderadresse war, wie wir anhand umfangreicher Nachforschungen feststellten, nicht existent und somit fingiert. Was uns allerdings stutzig machte, war der Umstand, dass wir schon einige Jahre zuvor der Struktur nach einen ähnlichen Text erhalten hatten und diesen dann - nach tiefschürfenden Analysen - entschlüsseln konnten. Damals teilte uns eine unbekannte Person in französischer Sprache mit, dass sie durch intensive Recherchen unsere Forschungsarbeit beobachtet hätte, und stark annehme, dass wir uns - betreffend der Lösung der Rätsel und Geheimnisse um Rennes-le-Château - auf dem richtigen Weg befinden würden(!).

Also machten wir uns ans Werk, den aktuellen Text mit Hilfe diverser, kryptographischer Verfahren zu entschlüsseln. Dabei stellten wir fest, dass der vorliegende Text ebenfalls in französischer Sprache abgefasst worden war und grundsätzlich durch den identischen Algorithmus codiert wurde, wie der uns bereits Bekannte.

Nachfolgend nun der Original-Text:
Verschlüsselte Botschaft
"mgz qkil sma, v'ol zims s éoflx xébà ufq trmm. svwl jrym lrggjé oe jdauq rx wyurwf? oopyr à ls bmuegadw à oôhé gi 'éylaes dzyu lw souhcwn. eabwit da hkfdqcve wf fhkujdwl rdrm da vufhgnaof ps oe paldq rx tcwrjq brmlw el, à xsxvm iwpg, ysok vgksc pu hlsos pilneaxzhymw ifhwvmvde vmbv pyk pjatrrxk dm ewopif. of bsxx uvmadsu pu hyjmalhy vafe iq xutlwmi gi fs mspsoecfe hdwdrnw. vaewwit da laaei xm fjèds dzyu ls dcvi. ngujzsc e f'guweh. o'syal ldcxzy dà ls bmuegadw. vs vyck uf tcpqy âyé"

Die entschlüsselte Variante ergab letztlich einen französischen Text, dessen sinngemässe Übersetzung in die deutsche Sprache wir hier nachfolgend wiedergeben:

"Mein lieber Freund, ich habe ihnen bereits schon einmal geschrieben. Haben sie den Ort des Geheimnisses (den geheimen Ort) gefunden? Gehen sie zur Pyramide seitlich (auf der Seite) der Kirche mit dem Hüter (Wächter). Steigen sie (besteigen sie) auf die Pyramide und blicken sie in die Richtung der Stadt des (mit dem/den) schwarzen Steines, zu ihren Füssen sehen sie (können sie sehen) den wunderbaren, unsichtbaren Ort in der Tiefe (in den Tiefen) der Furche (Spalte, Narbe). Man kann die Pyramide in einem Bild mit der betenden Madeleine sehen (bewundern). Besuchen sie das Grab des Bruders mit der Rose. Drehen sie westlich (drehen sie sich in westliche Richtung). Das Auge findet da die Pyramide (wenn man sich nach Westen dreht, kann man die Pyramide erkennen). Ich bin ein betagter (alter) Mann."

Hinsichtlich des Ergebnisses und besonders des teilweisen etwas seltsamen Französisch führten wir einige Diskussionen. Stil- und eventuell auch Rechtschreibfehler könnten sich durch das Entschlüsselungsverfahren ergeben haben - hier galt es eine gewisse Toleranz einzuräumen (letztendlich war es eine Kryptographie-Software aus dem englischen Sprachraum, welche das Endergebnis lieferte).

Es verstrich einige Zeit, bis uns klar wurde, was uns der Schreiber mitteilen wollte. In erster Linie waren unsere Überlegungen von grosser Skepsis geprägt - wir hielten die ganze Angelegenheit für das Werk eines Scherzboldes (dies nicht zuletzt, da wir über unsere Internetpräsenz seit Jahren die unterschiedlichsten Mitteilungen, von seriösen Berichten und Meldungen - bis hin zu den abstrusesten Märchen - erhielten).

Der Verfasser schrieb also: "Gehen sie zur Pyramide seitlich (auf der Seite) der Kirche mit dem Hüter (Wächter)". Wir gingen davon aus, dass bei der "Kirche mit dem Hüter" die Kirche von Rennes-le-Château gemeint war, mit dem Dämon "Asmodeus", dem Bewacher verborgener Schätze.

Bereits bei der erwähnten "Pyramide" kamen wir anfänglich gar nicht weiter, bis wir bei der Durchsicht unseres Fotomaterials zufällig auf ein Bild stiessen, welches vor Jahren - anlässlich einer Reise in das Tal der Aude - von uns aufgenommen wurde.
Gemälde und Landschaft
Auf diesem Foto erkennt man auf der rechten Seite die Burgruine von Coustaussa. Betrachtet man das Bild genauer, so fällt einem am gegenüberliegenden Hügelzug ein seltsam spitzer Berg auf, welcher aus diesem Blickwinkel tatsächlich der Form einer "Pyramide" gleicht.

Damit man keiner Täuschung unterliege, präzisierte der anonyme Verfasser sogar, dass man die "Pyramide" auf einem existenten Bild betrachten könnte: "Man kann die Pyramide in einem Bild mit der betenden Madeleine sehen". Bei dieser Passage war uns relativ schnell klar, welches Bild er meinte; nämlich das Altarbild in der Kirche von Rennes-le-Château!
In diesem Gemälde wurde die betende Maria Magdalena am Eingang einer (scheinbaren) Höhle dargestellt. Im Hintergrund liegt eine Landschaft mit zerfallenen Gebäuderesten, welche sehr denen der Ruine von Coustaussa gleichen. Im Vordergrund dieser Mauern erhebt sich ein spitzer Berg mit einer dreieckigen Form. Bei entsprechender Vergrösserung des Bereiches, vermeint man unter der gemalten Farbe fast Linien zu erkennen, welche ursprünglich dazu gedient haben könnten, die Form der "Berg-Pyramide" zu konstruieren!
Die Geschichte begann uns nun wirklich zu interessieren! Könnte es sein, dass unser anonymer Schreiber diesen Berg meinte?
Wir gingen der Sache nach und konsultierten die Landkarte, um festzustellen, wo diese seltsame Gebirgsformation stand und wie ihre Position im Verhältnis zum Ort "Rennes-le-Château" war. Nach einigen Berechnungen gelangten wir zum Schluss, dass es sich dabei um den "Roque Fumade" handelte, welcher in nördlicher Richtung seitlich des Ortes Rennes-le-Château, bezw. grundsätzlich auch "seitlich" der Kirche lag. Hier ergab sich eine gewisse "Interpretations-Toleranz" gegenüber dem Texte des Verfassers.

Mit: "Gehen sie zur Pyramide seitlich (auf der Seite) der Kirche…", könnte diesfalls gemeint sein, dass die "Pyramide" sich nicht unmittelbar neben dem Kirchengebäude befinden würde, sonder in dessen Umgebung in der Landschaft.
Allerdings muss hier angemerkt werden, dass der "Rogue Fumade" aus Sicht des Ortes Rennes-le-Château niemals als "Pyramide" erkennbar ist, sondern nur als felsiger Hügel!
Ein 3D-Modell der Umgebung - erzeugt durch eine Spezial-Software - ergab, dass der betreffende Felsen aus keinem andern Blickwinkel eindeutig als "Pyramide" identifizierbar war - ausser aus der ungefähren Richtung von Coustaussa (+/- ca. 1 Km)!
Im Text wurde dies ja sogar noch vom Autor bestätigt, indem er mitteilte, wohin man sich begeben müsste um die "Pyramide" tatsächlich zu finden: "Besuchen sie das Grab des Bruders mit der Rose. Drehen sie westlich (drehen sie sich in westliche Richtung). Das Auge findet da die Pyramide…"
Das Grab des Bruders mit der Rose?
Das Grab des Bruders mit der Rose? Seltsam! Diese Passage stellte wieder ein Rätsel für sich alleine dar! Aufgrund des Wortes "Bruder" nahmen wir an, dass es sich dabei grundsätzlich um eine "geistliche Person" handeln könnte. Der Hinweis mit der Rose liess uns anfänglich in einer falschen Richtung suchen - wir vermuteten Zusammenhänge mit den "Rosenkreuzern".
Doch es galt ja ein Grab zu finden, von dessen Standort aus man den "Pyramiden-Berg" eindeutig identifizieren konnte. Dieser Ort müsste sich ja ganz wenig östlich von Rennes-le-Château befinden. Nach einigem Drehen und Wenden der Landkarte stiessen wir auf den alten Friedhof von Coustaussa und dann erstaunlicherweise auch auf das betreffende Grab!
Auf dem Stein war tatsächlich eine Rose (Rosette) oberhalb der Beschriftung angebracht. Auch war diese Stelle – wie wir richtig vermutet hatten - die letzte Ruhestätte eines "Bruders" - eines Geistlichen mit dem Namen "Jean Gélis".

Folgende Geschehnisse prägten das Bild dieses Mannes:

Jean, Antoine, Maurice Gélis. Geboren am 1. April 1827 in Villesèquelandes. Pfarrer von Durban. Pfarrer von Lanet im Jahre 1855. 1858 nach Coustaussa berufen. Am 1. November 1897 in der Küche seines Pfarrhauses ermordet. Nichts wurde gestohlen. Das Geld, welches er besass, war unberührt. Ein Sack mit Dokumenten war geöffnet und durchwühlt. Der Körper des Abbé wurde in die Mitte des Zimmers gebracht, die Hände auf der Brust gefaltet. Der Mörder hat keine Spur hinterlassen, ausser einem Heftchen Zigarettenpapier der Marke TZAR. Auf einem der Blättchen stand "Viva Angélina"... Der Abbé Gélis war sehr misstrauisch. Die Eingangstür war nicht beschädigt. Der Abbé kannte sehr wohl seinen Mörder...

Fürwahr, eine äussert merkwürdige Angelegenheit!

Nun, da das Grab gefunden war, sollte man - gemäss den Worten  nseres "anonymen Freundes" – sich hinstellen und in westliche Richtung drehen, um die besagte "Pyramide" zu erkennen.
Konstriktionen auf der Karte
Auf der Karte liess sich die ganze Sache nun auch durch eine Konstruktion nachvollziehen.
Aber die Angelegenheit war damit noch lange nicht zu Ende!
Es galt ja einen "Ort des Geheimnisses (den geheimen Ort)" zu finden. Wir hatten bis anhin lediglich die Position der geheimnisvollen "Pyramide" in Erfahrung gebracht!
Die weiteren Schritte wurden folgendermassen beschrieben:"Steigen sie (besteigen sie) auf die Pyramide und blicken sie in die Richtung der Stadt des (mit dem) schwarzen Steines, zu ihren Füssen sehen sie (können sie sehen) den wunderbaren, unsichtbaren Ort in der Tiefe (in den Tiefen) der Furche (Spalte, Narbe)."
Hierbei ist es von beachtlicher Relevanz zu wissen, dass mit der "Stadt des schwarzen Steines" die Ortschaft "Quillan" im Departement Aude gemeint sein könnte. Zur Römerzeit hiess die im Jahr 781 erbaute Siedlung "Calianum" und beherbergte ein Heiligtum. Später erbauten die Westgoten hier auch eine Festung. Die Burg (Kilianus oder Quilhanus) wurde von den Hugenotten 1575 in Brand gesetzt. Der heutige Name "Quillan", entstand aus dem Okzitanischen "Quilhan" und bedeutet angeblich so viel wie "schwarzer Stein"!
Somit hatten wir vermutlich ein zusätzliches Teilstück des Rätsels gelöst. Nun galt es - gemäss dem mysteriösen Text - weitere Nachforschungen zu verfolgen.
Man sollte also nun die "Pyramide" – resp. den Felsen mit dem verheissungsvoll klingenden Namen "Roque Fumade" besteigen und in ungefähr westlicher Richtung - hin zur Stadt Quillan blicken! Ein direkter Augenkontakt vom 433m hohen Berg aus auf die Stadt war nicht möglich, da zwei entfernt vorgelagerte Hügelzüge die Sicht versperrten.
Fixpunkte in der Landschaft
Nebenbei fanden wir auf bemerkenswerte Weise heraus, dass der Name "Roque Fumade" vermutlich ebenfalls auf die Zeit der Römer und Westgoten zurückzuführen war, da diese Völker auf den Höhen des Felsens ihren Göttern huldigten und hier einst Brandopfer darbrachten (Überbleibsel dieser Vorgänge wären wahrscheinlich auch heute noch zu finden)!

Wir sahen uns also veranlasst, durch Betrachtung der Karte ungefähre Fixpunkte in der Landschaft festzulegen, nach welchen man sich - betreffend dem "unsichtbaren" Standort von Quillan - orientieren konnte. Dabei war festzuhalten, dass hinsichtlich der "Navigation" nicht allzu genaue Hilfsmittel verwendet werden sollten, sondern, dass ein eigenes, gutes Mittelmass an Gefühl für die Himmelsrichtungen zur Anwendung gelangte.
Abschliessende Überlegungen
Erinnern wir uns; der überlieferte Text lautete folgendermassen: "Steigen sie (besteigen sie) auf die Pyramide und blicken sie in die Richtung der Stadt des (mit dem) schwarzen Steines, zu ihren Füssen sehen sie (können sie sehen) den wunderbaren, unsichtbaren Ort in der Tiefe (in den Tiefen) der Furche (Spalte, Narbe)."

So standen wir nun da, auf der geheimnisvollen "Pyramide" - blickten in die ungefähre Richtung von Quillan - und zu unseren Füssen, unsichtbar und gut verborgen, befand sich der wunderbare Ort des mystischen Geheimnisses von Rennes-le-Château!
Unser Auge schweifte durch die verträumte Landschaft, über Wälder, hinunter in die Tiefen eines Tales und hinweg über Furchen und felsige Spalten in der sagenumwobenen, roten Erde!

Erst jetzt stellten wir fest, dass - in Erinnerung an das vieldiskutierte Altarbild in der Kirche von Rennes-le-Château - es vermutlich gar keine Höhle war, in welcher die "betenden Marie Madeleine kniete", sondern vielleicht einfach ein schmales, tiefes Tal mit etwas überhängenden Felswänden!





Quidquid agis prudenter agas et respice finem!
(Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende!)







Download Bericht als PDF
Bericht, Fotos u. Bildkonstruktionen: Copyright © 11.02.2011 / F. Seiler
Absatzliste: Das Mysterium der "Pyramide"
WEITERE INFORMATIONEN:
Creative Commons License
Dieser Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.