Rauch über dem Felsen - oder der geheimnisvolle "Roque Fumade"
Ein Abstecher auf unserer letzten Forschungsreise im Herbst 2009, führte uns zu einem Felsen in der Nähe von Rennes-le-Château mit dem verheissungsvollen Namen "Roque Fumade".
Verschiedene Faktoren führten letztlich zu dieser Unternehmung.

Der Roque-Fumade von der Strasse nach Couiza her gesehen
Schon einige Male blickten wir von Rennes-le-Château aus - herab vom Tour Magdala - in die Richtung dieses Ortes. Ausschlaggebend jedoch war, dass wir anlässlich einer Rückfahrt von Rennes-les-Bains nach Couiza - in einem vorgängigen Jahr - feststellten, dass der genannte Felsen aus einem bestimmten Blickwinkel von der Strasse her betrachtet, eine fast perfekte, dreieckige und sogar pyramidenähnliche Form aufwies.
Ansonsten stellt der Berg jedoch ein eher längliches Gebilde dar, welches sich in westlicher Richtung - gegen die Ortschaft Espéraza - hinzieht.
Schon bei dieser Gelegenheit beschlossen wir, den betreffenden Berg einmal zu erklimmen. Wir fragten uns auch, woher der Name "Roque Fumade" wohl stammen könnte? Der bekannte Forscher und Lokalhistoriker Louis Fédié (+1899) erwähnte in seinen Schriften, dass in der Nähe des "Roque Fumade" eine Anzahl Gräber gefunden wurden, wovon er einige als "westgotisch" klassifizierte. Somit vermuteten wir, nach tiefschürfenden Diskussionen, dass der Name "Roque Fumade" - also "rauchender Fels" - etwas mit Feuer, Bestattung und eventuell auch Brand-Opferungen zu tun haben könnte.

Bei unseren ganzen Überlegungen stiessen wir jedoch noch auf folgende, seltsame Erscheinung; Bei der Betrachtung des Altarbildes in der Kirche, des unmittelbar in der Nähe des "Roque Fumade" liegenden Ortes Rennes-le-Château, konstatierten wir, dass der spitze Berg über der, in der Grotte betenden Maria Magdalena, in seiner gemalten Charakteristik so ziemlich genau der Form des "Roque Fumade" entspricht - wie eingangs erwähnt - aus einem speziellen Blickwinkel betrachtet - einem Blickwinkel aus östlicher oder nordöstlicher Richtung.
Verschieden Forschungsteams stellten in jüngerer Zeit fest, dass sich in der Gegend unter dem "Roque Fumade" ein Stollensystem hinzieht, welches nahe dem Gebiet "Encantado" beginnt und vermutlich einmal bis nach Rennes-le-Château hin führte. Die Annahmen gehen dahin, dass in diesen Stollen einmal Gips abgebaut worden war.


Hier könnte Rauch aus dem Berg gestiegen sein...
Allerdings wird andernorts auch geschrieben, dass in diesen unterirdischen Kavernen in alter Zeit auch Gold oder sonstige Edelmetalle abgebaut worden sein könnten. Das Material wäre direkt im Berg verarbeitet und eingeschmolzen worden. Durch diese Tätigkeit sei natürlich Rauch entstanden, welcher sich über das Stollensystem und auch über entsprechend als "Abluftkanäle" genutzte Felsspalten verbreitete und letztlich beim "Roque Fumade" zu Tage getreten sei. Auch eine einleuchtende Erklärung für den Namen des "rauchenden Felsens"!
Eine andere Theorie führt an, dass der "Roque Fumade" ein heiliger Ort gewesen sei. Der Rauch stammte aus einer Höhle unterhalb des Felsens, in welcher Maria Magdalena mit ihren Kindern lebte!
Wie dem auch sei, anlässlich unserer letzten Expeditionsreise in die Gegend des Dept. Aude, nahmen wir die besagte Angelegenheit genauer unter die "Lupe". Vorgängig stellten wir fest, dass im Internet kaum etwas Erwähnenswertes - wie Fotos oder weitergehende Beschreibungen - zum "Roque Fumade" zu finden waren. Wir fuhren also verschiedene Stecken ab, um zu sehen, wie sich die Form des Felsens bei differenzierter Betrachtungsweise veränderte. Dabei gefiel uns besonders der Ausblick von Coustaussa her, bzw. aus der Sicht oberhalb des alten Friedhofes - aus der Gegend des sog. "Grande Camp".
Von hier aus konnten wir auch festlegen, wie genau wir zum "Roque Fumade" gelangen wollten. Eine erste Überlegung war, von Rennes-le-Château aus querfeldein vorzudringen. Anhand der Geländebetrachtung und dem Studium der Karte erwies sich dies jedoch als viel zu umständlich und langwierig, da zwischen Rennes-le-Château und dem Zielgebiet das Gelände bei "Founbit" teilweise sehr steil und stark mit dichtem Buschwerk bewachsen schien. Also entschlossen wir uns, an einem geeigneten, sich in ungefährer Höhe des Felsens befindlichen Ortes an der Fahrstrasse nach Rennes-le-Château zu parkieren und dann direkt "durch die Büsche" zu unserem Ziel vorzudringen.
Gesagt - getan! Nach einem Aufstieg von ca. 30 Minuten befanden wir uns bereits am Fusse des Felskammes des "Roque Fumade". Wir kletterten den gesamten Grat entlang und stellten fest, dass der Fels links und rechts teilweise wirklich sehr steil abfällt. An der nördlichen Flanke des Felsmassivs erkannten wir eine Art Verwerfung, bei welcher weissliches, pulverartiges Gestein zu Tage tritt - mit ziemlicher Sicherheit die Spur einer Gipsader.

Auf dem höchsten Punkt
Die Aussicht von der höchsten Stelle (433 müM) war äusserst bemerkenswert - besonders an diesem schönen Tag. Man vermeinte - einem Falken gleich - über der wunderbaren Landschaft zu schweben und mit scharfem Blick die kleinsten Details in der Ferne zu erkennen! Wir hatten wirklich sehr grosses Glück mit dem Wetter! Bei Regen wäre das "Herumkraxeln" auf nassem Felsgestein zu einer gefährlichen Angelegenheit ausgeartet. Ursprünglich hatten wir geplant, den Berg an seiner Basis zu umrunden, dies jedoch war nur teilweise möglich, da die westliche Flanke sehr steil abfällt und wir ohne entsprechende Ausrüstung nichts riskieren wollten. Aber es ging ja auch so.
Nach einer gemütlichen Mittagsrast untersuchten wir das Gelände etwas genauer. Links unseres Standortes befand sich der mystische Ort Rennes-le-Château, von wo aus wir interessiert beobachtet wurden, wie wir anhand eines Blickes durch unser bildstabilisierendes Fernglas feststellen konnten! Dies erstaunte uns nicht, da sich ja unsere Konturen bei diesen Sichtverhältnissen ziemlich scharf gegen den Himmel abhoben.
Ein warmer Windhauch liess unsere, vom Aufstieg etwas feucht gewordene Bekleidung umgehend wieder angenehm trocknen. Es herrschte absolute Stille. Unter unseren Bergschuhen knackte trockenes Buschwerk und man hörte sogar das Geräusch der Kieselsteine, welche ausgelöst durch unsere Schritte, links und rechts des Grates zu Tale rieselten.
Unterhalb beider Seiten des Berggrates trat rotes Erdmaterial - durch Wind und Wetter herausgearbeitet - zu Tage. Reste des Mutterbodens senkten sich teilweise in tiefen, ausgewaschenen Furchen in die Abgründe hinab. Was sich auch immer einmal in einer oberen Region befand, rutscht nun träge aber stetig seitlich hinab in die Tiefe.

Ein magischer Ort!
Einige Meter weiter, an der nördlichen Flanke des "Roque Fumade" - etwa in der Hälfte des ganzen Felszuges, entdeckten wir einen wirklich bemerkenswerten Ort! Eine Art "Kanzel" erhebt sich über dem Abgrund, unmittelbar etwas unterhalb des Gipfels und soweit gut erreichbar.
Die Örtlichkeit wird von grossen Steinbrocken umsäumt und misst ca. 5 Meter im Durchmesser. Ein Idealer Punkt für z.B. ein Signalfeuer, da hier genügend Raum vorhanden wäre, viel Holz aufzuschichten. Wir umrundeten das ganze Gebilde so gut es möglich war und suchten nach eventuell noch weiteren, vorhandenen Spuren…

Das schwach erkennbare Kreuz auf dem Felskopf - rechts neben dem Forscher...

Ein seltsames Zeichen...
Bei dieser Gelegenheit machten wir natürlich einige Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln - von leicht erhöhter Position - aus der Richtung des Grates. Dabei stellten wir erstaunt fest, dass man auf einem Felskopf der "Kanzel" ganz schwach die Spuren eines eingravierten Kreuzes sehen konnte, je nach Lichteinfall mehr oder weniger deutlich. Bei genauerer Betrachtung erkannte man unterhalb des Kreuzzeichens sogar ein dreieckförmiges Gebilde, ähnlich einem Pfeil, welcher mit seiner Spitze gegen den Boden wies.
Zur Verdeutlichung haben wir einige Bildausschnitte in vergrösserter Darstellung abgebildet. Was dieses Signum wohl zu bedeuten hatte? Handelt es sich tatsächlich um ein eigentliches Kreuzzeichen oder um eine sonstige Markierung? Könnte es sich evtl. auch um ein sog. "Walenzeichen", ein in alter Zeit von Bergleuten oder Edelmetallsuchern hinterlassenes, geheimnisvolles Symbol handeln?
Die Frage stellte sich auch, ob der gefundene Ort unter Umständen auch ein ehemaliger Opfer-, Kult- oder (Feuer-)Bestattungsplatz aus keltischer, westgotischer oder römischer Zeit gewesen sein könnte. Die Nähe zum Ort "Rhedae" - dem heutigen Rennes-le-Château - würde jedenfalls auch auf diese Möglichkeit hindeuten. Im Zusammenhang mit dem Namen des Berges, "Roque Fumade", wäre dies vermutlich sehr naheliegend, da ja die vorgängig erwähnten, kultischen Praktiken allesamt mit "Feuer" und somit auch mit "Rauch" verbunden waren...!
Einen weiteren Hinweis auf die Möglichkeit eines "Opferplatzes" fanden wir ca. eine halbe Stunde später - an der Südflanke des "Roque Fumade". Der Fund löste beim ganzen Forschungsteam eine rastlose Hektik aus! Beim seitlichen Abstieg und der Überquerung einer Stelle mit viel abgesunkenem und ausgewaschenem Erdmaterial, ertönte unter meinen Füssen ein eigentümliches, metallisches Geräusch! Was war das? Ich vermutete zuerst, es könnte sich um den Ton von zufälligerweise herumliegenden "Kronenkorken" handeln, mit welchen ja bekannterweise Getränkeflaschen verschlossen werden. Doch weit gefehlt! Beim genauen Hinsehen erkannte ich kleine, dunkel gefärbte, metallische "Scheiben"!

In einem Umkreis von ca. 3 Metern fanden wir an die 11 Stück kleiner, bronzener Münzen! Wie erwähnt, löste der Fund eine umfassende Suchaktion aus. Alle Gebiete, in welchen das Erdreich ausgewaschen war, wurden nun genauestens untersucht. An zwei verschiedenen Orten unterhalb des Bergkammes fanden wir einige weitere Münzen - man konnte diese gut an ihrer Farbe erkennen - sie hoben sich mit ihrer schwarzen oder dunkelgrünen Färbung kontrastreich gegen die rötliche Erde ab.
Eine spätere Bestimmung der Funde ergab - soweit überhaupt noch eine Prägung erkennbar war, dass die Artefakte meist aus römischer Zeit stammten und keinen aussergewöhnlichen, materiellen Wert darstellten...
Für uns jedoch war dies schon etwas sehr Bemerkenswertes, was wir an diesem Tag auf dem "Roque Fumade" erleben und erkennen durften! Die "Opfergaben" - wie wir nun unsere Funde nannten - bestärkten uns in der Annahme, dass dieser Berg einmal eine sicherlich aussergewöhnliche Rolle in der Geschichte der Gegend um Rennes-le-Château spielte!
Auch zum gefundenen Kreuz mit dem untenstehenden "Dreieckspfeil" liess ein zu Rate gezogener Spezialist zu einem späteren Zeitpunkt verlauten, dass das Zeichen ein Hinweis dafür wäre, dass sich tief unten am westlichen Ende des "Roque Fumade" mit grosser Wahrscheinlichkeit eine alte Kaverne im Berginnern befinden müsste….!
Nihil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
(Nichts ist so schwierig, dass es nicht erforscht werden könnte - oder doch?)

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